Freitag, 17. Februar 2017

Buchgeflüster: Angstlust - Warum lesen wir Thriller oder Horror



  

verfasst von Ana                




Credit: Pixabay

Ich für meinen Teil kann dazu sagen:

Ich liebe es, wenn mir die Nackenhaare hochgehen und mir langsam die Angst kommt.
Wenn ich nach einem guten Thriller oder Horror Roman nur noch vorsichtig ein Zimmer betrete in dem es dunkel ist, dann weiß ich, dass ich lebe. Klingt krank? Vielleicht ist es das…

Aber ehrlich, jeder von uns hat diese Ader, dass wir uns zu der dunklen Seite des Menschen hingezogen fühlen. Wir lesen die „Crime“ um mehr über echte Straftäter und deren Verbrechen zu erfahren. Wir lesen „Truecrime“ Bücher, denn da ist der Nervenkitzel noch stärker und wenn in dem neuesten Thriller mal wieder der Killer sein Unwesen treibt, dann fliegen wir nur so durch die Seiten des Buches.
Wir verziehen angewidert das Gesicht bei der Beschreibung des letzten abscheulichen Mordes, oder sehen vor unserem inneren Auge die Blutspritzer an der Wand und doch lesen wir genüsslich weiter.
Wir lieben die Spannung während der Jagd und warten auf den nächsten großen "Knall" im Buch.

Sollten Gewalt und Schrecken in der realen Welt uns nicht dazu bringen nur noch „Kuschelromane“ lesen zu wollen?

Hier ein ganz klares und deutliches NEIN!

Der Psychiater Borwin Bandelow hat in einem Interview mit der „GEOkompakt“ gesagt: „Jeder Mensch verspürt eine gewisse Lust an der Angst – daran, sich zu fürchten, zu gruseln, sich der Illusion von Gefahr hinzugeben. Dabei geht es nicht um real erlebte Furcht: Niemand will einem Serienkiller von Angesicht zu Angesicht begegnen oder auf einem brennenden Hochhaus stehen. Es geht um das imaginierte Grauen, die inszenierte Angst. Im Englischen gibt es dafür den Begriff thrill. Dieser Nervenkitzel zieht uns an. Ihm setzen wir uns freiwillig aus, weil wir darauf vertrauen können, dass die Sache – zumindest für uns – gut ausgeht. … In jeder Angst- oder Stresssituation setzt das Gehirn immer auch euphorisierende Stoffe frei, Endorphine. Sie sorgen für ein Hochgefühl, für Schmerzfreiheit, dafür, dass wir uns stark und beglückt fühlen. Dieser Mechanismus war für unsere Vorfahren überlebenswichtig: Wer etwa im Kampf mit einem Raubtier verwundet wurde, gab aufgrund der freigesetzten Endorphine nicht gleich auf, sondern kämpfte weiter. Ohne Lust am Risiko, an der Angst, hätten unsere Ahnen vielleicht nie das Feuer gezähmt oder wären nie ins Unbekannte aufgebrochen. Ohne Nervenkitzel kein Erfolg.“

Hier der Link zu dem Artikel, falls jemand ihn ganz lesen möchte:

Angstlust: warum uns das Grauen so reizt - GEO     
Credit: Pixabay

Also was lernen wir daraus:
Wir sind Adrenalinjunkies, aber nur in unserem Kopf!
Ich habe 3 mir bekannte Autoren gefragt, warum Sie sich ausgerechnet für das Genre entschieden haben und möchte Euch hier noch die Antworten präsentieren:

Jutta Maria Herrmann ist Autorin von "Hotline" und "Schuld bist Du" (zwei phänomenale Psychothriller)  und hat folgende Antwort dazu:
"Warum ich mich entschieden haben, Thriller zu schreiben? Ich lese selber sehr gerne Thriller, da war das irgendwie naheliegend, selber welche zu schreiben. Außerdem wollte ich den vielen Serienkillern mal etwas anderes entgegensetzen. Nein, im Ernst. Es ist ein sehr vielfältiges Gerne: du kannst sozialkritische, psychische Aspekte, den alltäglichen Wahnsinn und auch Mystisches wunderbar miteinander verweben."

Thomas Nommensen, Autor von "Ein dunkler Sommer" und "Wintertod", die ersten beiden Bücher rund um den hochsensiblen und eigensinnigen Hauptkommissar Arne Larsen (übrigens war Wintertod mein Lesehighlight 2016) , hat mir folgende Antwort gegeben:
"Ich habe mich für das Krimi/Thriller Genre entschieden, weil es einen ganzen Strauß von Spielarten bietet und über die spannende Rahmenhandlung auch Gesellschafts- und Sozialkritik transportiert werden können. Außerdem lese ich schon immer selbst gerne in dem Genre.

Arthur Gordon Wolf, Autor von "Katzendämmerung"(Dieses Buch hat übrigens den 2. Platz beim Vincent-Preis, dem deutschen Horroraward geholt) und "Kalliope"(ein weiteres Lesehighlight von mir im letzten Jahr) war als 3. im Bunde ebenfalls so nett und hat mir geantwortet:
Warum ich mich für die Genres 'Horror', 'Thriller', 'Dystopie' entschieden habe? Die Welt ist nun einmal nicht 'rosarot' und 'Friede, Freude, Eierkuchen'. Aus diesem Grund verwende ich gerne das Mittel der Übertreibung (im Bereich 'Horror') oder das Wechselspiel zwischen innerer und äußerer Wahrnehmung, um etwas Licht in die Schattenseiten unseres Daseins zu bringen. Im Grunde folgen (fast) alle meine Erzählungen und Romane der alten Devise "Here Be Dragons!", einer Warnung, mit der man auf alten Seekarten unbekannte Gebiete beschrieb.
Ich hoffe ich konnte Euch ein wenig unterhalten.
Liebe Grüße Eure Ana

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