Donnerstag, 6. Juli 2017

Rezension: Der Freund der Toten von Jess Kidd

(c) DUMONT








Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG
Erscheinungsdatum: 18.05.17
ISBN-10: 3832198369
ISBN-13: 978-3832198367



Klappentext:

Der charmante Gelegenheitsdieb und Hippie Mahony glaubte immer, seine Mutter habe ihn aus Desinteresse 1950 in einem Waisenhaus in Dublin abgegeben. Sechsundzwanzig Jahre später erhält er einen Brief, der ein ganz anderes, ein brutales Licht auf die Geschichte seiner Mutter wirft. Mahony reist daraufhin in seinen Geburtsort, um herauszufinden, was damals wirklich geschah. Sein geradezu unheimlich vertrautes Gesicht beunruhigt die Bewohner von Anfang an. Mahony schürt Aufregung bei den Frauen, Neugierde bei den Männern und Misstrauen bei den Frommen. Bei der Aufklärung des mysteriösen Verschwindens seiner Mutter hilft ihm die alte Mrs Cauley, eine ehemalige Schauspielerin. Furchtlos, wie sie ist, macht die Alte nichts lieber, als in den Heimlichkeiten und Wunden anderer herumzustochern. Sie ist fest davon überzeugt, dass Mahonys Mutter ermordet wurde. Das ungleiche Paar heckt einen raffinierten Plan aus, um die Dorfbewohner zum Reden zu bringen. Auch wenn einige alles daran setzen, dass Mahony die Wahrheit nicht herausfindet, trifft er in dem Ort auf die eine oder andere exzentrische Person, die ihm hilft. Dass es sich dabei manchmal auch um einen Toten handelt, scheint Mahony nicht weiter zu stören …

Inhalt:

Im Prolog landen wir im Jahr 1950 und erleben mit, wie die junge Orla zu Tode geprügelt wird und das vor den Augen des eigenen Babys. Wir wissen also von Anfang an was passiert ist, aber nicht wer es getan hat.

Die Haupthandlung spielt dann im Jahr 1976, als der Mann Mahony nach Mulderrig reist um herauszufinden, was mit seiner Mutter vor 26 Jahren passiert ist.
Mulderrig ist eine eingeschworene Gemeinde und Fremde sind nicht gerne gesehen, noch weniger beliebt sind Leute, die ins Dorf kommen, um eine alte Geschichte wieder aufzuwärmen.
Geheimnisse sind da, um sie zu bewahren. Darin sind sich die meisten Dorfbewohner einig und versuchen den sympathischen Mahony zu vertreiben.

Aber es gibt auch Verbündete, die ihm helfen wollen und diese Menschen oder Toten stehen fest hinter ihm.

Eine davon ist Mrs. Merle Cauley. Sie  ist ein echtes Unikat, die der Geschichte den nötig Pfeffer verleiht. Ehemalige Schauspielerin, die heute zwar nur noch eine gebrechliche alte Frau ist, aber über einen messerscharfen Verstand und eine scharfe Zunge verfügt, die sie für die Lösung des Rätsels einsetzt. Verschlagen als auch clever hat hier einen Namen.

Als Leser begegnet man während der Geschichte einem schüchternen Geist, einem exhibitionistisch veranlagtem Geist (der sein bestes Stück aus Angst vor Vögeln mit einem Hut bedeckt) sowie Trinkern, Müttern, Vätern, Tieren und unter anderem auch Ida. Ida ist ein vor langer Zeit verstorbenes Mädchen, das vorwitzig ist und ihr JoJo vermisst. Völlig selbstverständlich nehmen wir die Anwesenheit der Toten hin und es erscheint uns fast real. Die Toten sind ein Teil der Geschichte, die dieser einen besonderen Reiz verleiht und so anders macht.

Dann gibt es natürlich noch den Geistlichen des Ortes... Father Quinn ist ein besonderer Fall und wird gerne mit einem Wiesel verglichen. (Und dieser Vergleich ist so passend.)  Eine Episode mit ihm hat mich wirklich herzhaft lachen lassen. Ohne zu spoilern: es geht um Frösche in seiner Bibliothek und dass er glaubt sie schauen in lüstern an...

Fazit:

Jess Kidd hat die Geschichte mit einem feinen Sinn für Humor und einer Leichtigkeit geschrieben, die das Buch zu etwas ganz besonderem machen und einen wirklich gefangen hält.

Hier zwei Textzitate von ganz vielen wundervollen Passagen aus dem Buch:
..."Er betritt den Pub um vierundzwanzig Minuten nach elf. Tadhg räumt gerade Limonadenflaschen hiner der Bar ein. Mahony fragt Tadhgs Gesäßritze, ob er sich den Wagen ausborgen könne. Die Ritze sagt, klar könne er das, aber er sei voll mit Hühnern. Mahony dankt der Ritze und läuft zur Hintertür hinaus."

"Worte können fliegen. Sie sausen durch Fenster, über Zäune, zwischen Barhockern hindurch und durch Gärten. Sie bewegen sich schnell von Mund zu Ohr, von Ohr zu Mund. Und Unterwegs gewinnen sie an Tempo und Gewicht und Substanz und Schwerkraft. Bis sie mit einem satten Geräusch landen, Wurzeln schlagen und so schnell wachsen wie besonders unbezähmbare Bohnenranken."

Das Buch ist zum Niederknien. Unterhaltsam, tiefgründig, voller beindruckender Charaktere und auch der Aberglaube, der in Irland auch heute noch eine wichtige Rolle spielt, hat seinen Platz.
Lasst Euch nicht von den Untoten abschrecken, sonder gebt diesem Roman eine Chance, denn die hat er verdient.

Ein toller Roman, der die Geschichte eines Dorfes und deren Bewohner erzählt und dabei wird scheinbar nebenher die Geschichte von Mahonys Mutter Orla erzählt.

Eine klare Leseempfehlung von mir für eine wundervolle Geschichte.
Von mit gibt es für dieses Buch die volle Punktzahl. 👻👻👻👻👻

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